Mitarbeiter tun mehr

MadagaskarUnsere MitarbeiterInnen sind nicht nur in Vorarlberg höchst engagiert, sondern setzen sich auch international in Bereichen ein, wo nicht so hohe medizinische Standards wie bei uns herrschen. Lesen Sie hier den Bericht von OA Dr. Ingo Plötzeneder, der jedes Jahr mit einem Team medizinische Hilfe in Madagaskar leistet:

  • Wenn ein Lächeln Wirkung zeigt

    Vorarlberger OP-Team im Hilfseinsatz für „Smile 4 Madagaskar“

    Madagaskar – aufstrebendes Reiseziel für Naturliebhaber und Ökotouristen. Und eines der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen, die dort leben, haben nur das Nötigste – und oft auch nicht einmal das. Vielleicht sind die Madagassen aber auch gerade deshalb so lebensfroh und gut gelaunt.

    Schatten im Paradies

    Auf der landschaftlich reizvollen Insel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Entsprechend den ärmlichen Lebensverhältnissen der Menschen ist auch die Infrastruktur mehr als bescheiden. So wird etwa noch am offenen Feuer gekocht, und häufig verbrennen sich insbesondere Kinder an den zahlreichen Feuerstellen. „Großflächige Brandwunden, aber auch andere böse Verletzungen und Krankheiten sind an der Tagesordnung“, erklärt Dr. Ingo Plötzeneder, plastischer Chirurg aus dem LKH Feldkirch und Mitglied des Vorarlberger Vereins „Smile 4 Madagaskar“.

    Medizinische Behandlungen und vor allem Operationen sind teuer. Auf Madagaskar gibt es jedoch keine Krankenversicherung. Daher können es sich nur wenige leisten, sich professionell versorgen zu lassen. Aber auch das Ausbildungsniveau madagassischer Ärzte lässt spezielle Eingriffe vielfach erst gar nicht zu. Ein Team rund um Dr. Plötzeneder hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, madagassische Ärzte zu unterstützen und Patienten, denen bislang nicht geholfen werden konnte, zu behandeln.

    Vorbereitung ist alles

    Bereits 2008 war der plastische Chirurg mit einem Ärzteteam aus Deutschland auf der Insel gewesen, hatte die medizinische Situation vor Ort kennen gelernt und Kontakte zum Krankenhaus in Tuléar, das halbwegs gut ausgestattet schien, geknüpft. Nach längerer intensiver Vorbereitungszeit war es im Herbst 2010 schließlich soweit: Dr. Plötzeneder reiste gemeinsam mit dem Anästhesisten Dr. Martin Dorner aus dem LKH Bregenz, Anästhesiepfleger Markus Bitsche, OP-Pflegerin Eva-Maria Bergsteiner aus dem LKH Feldkirch und Dr. Volkhart Krekel, plastischer Chirurg aus Deutschland, nach auf Madagaskar, um zwei Wochen lang chirurgische Hilfe zu leisten.

    „Urlaub“ im OP

    Ausgestattet mit sterilen Tupfern und Verbandsmaterialien, Abdeckungen, OP- Bekleidung, Einweghandschuhen, Desinfektionsmitteln sowie sämtlichen Nahtmaterialien, Venenzugängen und Anästhesiemedikamenten, traf das Team frühmorgens im Krankenhaus von Tulear ein. Über hundert Patienten warteten bereits hoffnungsvoll. Sie alle waren durch die Kirche und das dortige Radio über die Ankunft der europäischen Mediziner informiert worden. Am Vormittag wurde der Operationsplan festgelegt und kurz nach Mittag fanden bereits die ersten Operationen statt. „In den darauffolgenden Tagen kamen während der laufenden Operationen immer wieder neue Patienten, die in den OP-Pausen soweit es ging noch zusätzlich in den Operationsplan geschleust wurden. Wir arbeiteten durchschnittlich 14 Stunden täglich“, schildert Plötzeneder.

    An neun Arbeitstagen konnten so insgesamt rund 70 Patienten operiert werden. Am häufigsten wurden plastische Korrekturen nach Verbrennungen durchgeführt, denn bleiben diese unbehandelt, können sie zu deutlich eingeschränkter Bewegungsfreiheit und im Wachstum sogar zu Verkrüppelungen führen. Weiters wurden Gesichtstumore, angeborene Fehlbildungen und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten operiert.

    Einfallsreichtum gefragt

    Bei den schlecht ausgestatteten OP-Räumen ist besonderer Einfallsreichtum gefragt. Für eine optimale Beleuchtung während der Operationen etwa sorgten mitgebrachte Stirnlampen, und durch allerlei Anstrengung konnten auch tot geglaubte Geräte wieder verwendet werden. OP-Pflegerin Eva Bergsteiner schaffte es mit hohem Einsatz, den OP hygienisch sogar fast auf europäischen Standard zu bringen. „Das Wichtigste an unserem Einsatz ist die Hilfe zur Selbsthilfe, das heißt der Wissenstransfer von europäischen Operationsmethoden. Die Ärzte vor Ort haben beispielsweise nie gelernt, wie Hauttransplantationen – essentiell für die Wiederherstellung nach Verbrennungen – durchgeführt werden“ so Plötzeneder. „Und genau hier setzen wir an. Wir bringen keine teuren Geräte, die später nicht gewartet werden können, sondern wir versuchen, mit vorhandenem Material zu arbeiten und den dortigen Ärzten zu zeigen, wie sie auch ohne unsere Hilfe den Menschen vor Ort effektiver helfen können.“

    Hilfe mit Zukunft

    Während des Aufenthalts wurde auch dem Leiter der Gesundheitsbehörde in Tuléar ein Besuch abgestattet. „Das Gespräch legte den Grundstein für eine langjährige Zusammenarbeit“, freut sich Plötzeneder, der schon weitere Einsätze plant. Finanziert wird die Aktion übrigens durch Sponsoren und Spendengelder. Die Helfer selbst „opfern“ ihren Urlaub und ihr Wissen bzw. ihre Arbeitskraft stellen sie ehrenamtlich zur Verfügung. Der Lohn für all die Mühe ist das gute Gefühl, etwas Sinnvolles und vor allem Nachhaltiges bewirkt zu haben.

     

    Facts:

    • An 9 Arbeitstagen wurden 68 PatientInnen operiert

    durchgeführte OPs:

    • Wiederherstellung nach Verbrennungen
    • Entfernung von Gesichtstumoren
    • angeborenen Fehlbildungen und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten.

    Sponsoren: Interplast und smile4

    „Smile 4 Madagskar“ ist ein Vorarlberger Verein, der sich für Menschen und Natur in Madagaskar einsetzt und Hilfe vor Ort leistet.

    Mehr Infos unter www.smile4.at